Naturverträgliche Wintertouren - Kodex, Regeln und Tipps
Ein Kodex-Projekt des Schweizerischen Alpenclubs
Einleitung
Die winterlichen Aktivitäten abseits der gesicherten Pisten nahmen in den letzten Jahren zu. Vor allem mit Schneeschuhen werden zunehmend auch sensible Gebiete begangen, die abseits der traditionellen Skitourenrouten liegen (flachere, stärker bewaldete Gebiete) und deshalb bislang von Störungen eher verschont blieben. Dies führte in letzter Zeit da und dort zu Konflikten mit dem Natur- oder Wildschutz, und es wird befürchtet, dass dies in den nächsten Jahren noch zunehmen wird.
Eine aktive Begegnung mit der Natur ist wichtig und soll möglichst nicht durch Verbote verhindert werden. Bei Freizeitaktivitäten sollten aber die Bedürfnisse der Natur gebührend respektiert und begründete Einschränkungen beachtet werden. Nur mit dieser Einsicht und Bereitschaft ist längerfristig eine möglichst freie Ausübung der winterlichen Natursportarten zu gewährleisten.
In diesem Sinn wurde vom Schweizer Alpenclub ein Kodex sowie Regeln und Tipps für umweltfreundliche Touren ausgearbeitet, der von folgenden Anbietern von alpinen Wintertouren vertreten wird:
- Schweizerischer Alpenclub
(weiter Anbieter werden folgen)
Der Kodex wird anerkannt und unterstützt von: BUWAL, kantonale Naturschutz- und Jagdämter, Schweizerische Vogelwarte, ProNatura, Naturfreunde Schweiz, WWF, Mountain Wilderness, schweizerischer Bergführerverband SBV.
Kodex für Tourenanbieter
Als Anbieter von Wintertouren verpflichten wir uns,
- Bei der Planung von Touren und Routen die Situation bezüglich Natur und Landschaft abzuklären und unsere geplante Route entsprechend danach auszurichten. Bei grossem Störungspotenzial (z.B. Wildschutzgebiet) oder unsicherer Sachlage verzichten wir auf eine Begehung.
- Bestehende oder neu erlassene Einschränkungen, allfällige Wildschutzgebiete, Ruhezonen, Wintersperrgebiete und Schongebiete mit ihren jeweiligen Bestimmungen unbedingt zu respektieren.
- Die zu diesem Kodex formulierten Regeln und Tipps auf unseren Touren einzuhalten und durchzusetzen.
- Die uns anvertrauten Gäste auf die aufgeführten Verhaltensregeln in der winterlichen Natur aufmerksam zu machen.
Regeln und Tipps für naturverträgliche Wintertouren
für Gruppenleiter und selbständige Tourengeher-/innen
Planung der Tour
- Planung der Tour in möglichst bekannte Gebiete und auf bestehenden und häufig begangenen Routen. Bei der Begehung oder Erschliessung von neuen Routen ist Zurückhaltung geboten
- Respektierung von bestehenden Wildschon- und weiteren Schutzgebieten. Bei Unklarheiten sollten Informationen bei lokalen Wildhütern, kantonalen Ämtern für Naturschutz und Naturschutz-Organisationen eingeholt werden (Adressen im Anhang). Diese Verantwortlichen geben auch Auskunft über potentielle Wildstandorte und Balz, Brunft und Nistzeit von Wildtieren (z. B. Rauhfusshühner und Schalenwild).
Fauna
- Bei der Planung ist zu berücksichtigen, dass die Dämmerungszeit die aktive Zeit für die meisten Tiere ist (besondere Störanfälligkeit)
- Bei der Verwendung eines Hängegleiters ist es nötig, sich über die Auswirkungen auf die Tiere zu informieren und sich an die bestehenden Regeln zu halten.
Naturerlebnis
- Anpassung der Teilnehmerzahl an die Verhältnisse des Gebietes: Die Gruppen-grösse sollte so sein, dass das Gruppenverhalten dem Gebiet entsprechend kontrollierbar ist.
Vorbereitung der Tour auch aus naturkundlicher und kultureller Sicht, um eine vertiefte Beziehung zum Gebiet aufzubauen (evtl. mit Beizug einer Fachperson). Feldstecher und Unterlagen naturkundlicher Art (z. B. Spurenbilder) sind nützliche Begleiter
Anreise zur Tour
- Wenn möglich Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Alpentaxis, oder aber Bildung voll ausgelasteter Fahrgemeinschaften.
- Einhaltung von Fahrverboten, Benutzung ausgewiesener Parkplätze und keine Blockierung von Zufahrten.
Auf der Tour
Naturschutz
Lebe den Grundsatz konsequent: Lass nichts zurück als deine Spuren, und nimm nichts mit ausser deinen Eindrücken
- Halte dich möglichst an bestehende Routen oder Wege und beachte unbedingt Hinweise zu Naturschutzgebieten
- Hunde sind an der Leine zu führen.
Fauna und Flora
- Weiche dem Wild nach Möglichkeit aus und umgehe Futterstellen. Tiere dürfen nicht belästigt und schon gar nicht erschreckt oder verscheucht werden. Beobachte sie aus gebührender Distanz.
- Durchquere Waldgebiete möglichst auf Wegen oder Forststrassen. Begehe keine Aufforstungen und Jungwuchs. Vermeide wenn möglich Abfahrten durch den Wald oder folge bestehenden Waldstrassen. Wo keine Waldstrassen vorhanden sind, folge immer derselben Route (Spuren der Vorgänger), um keine flächigen Störungen zu erzeugen.
- Halte dich nur kurz im Bereich der Waldgrenze auf, dem Lebensraum des Birkhuhns, und wähle deine Route nicht parallel zur Waldgrenze.
- Schone im Frühjahr die Grenzbereiche Schneedecke-Gras, denn die frisch abgedeckte Grasnarbe ist hochempfindlich, und das aufkeimende Leben von Pflanzen und Insekten völlig ungeschützt.
Naturerlebnis
- Unterlasse wildes Herumtollen oder lasse es nur gezielt zu. Mache möglichst keinen Lärm. Fördere das Stillsein und das bewusste Erleben der Ruhe.
- Baue kleine Naturbeobachtungen und –betrachtungen ein und fördere die Aufmerksamkeit für die Umgebung, damit deine Teilnehmer/-innen die Natur bewusst wahrnehmen und erleben
- Nimm deine Autorität als Leiter wahr - nicht nur in Bezug auf die Sicherheit, sondern auch in Bezug auf das Verhalten gegenüber der Natur!
Viel Freude und Erfüllung auf deinen Touren!
Flyer mit Regeln und Tipps für naturverträgliche Wintertouren
Schweizer Alpen-Club SAC, Ressort "Schutz der Gebirgswelt"
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